Hölzerne Trauzeugen mit Tradition
- Wußten Sie, dass die zahlreichen Nussbäume in der idyllischen Gegend rund um
Avellino (Stadt in Italien) an den alten Brauch erinnern,
bei der Geburt eines Mädchens durch das Pflanzen eines Baumes die späteren Hochzeitsmöbel zu sichern?
- Wußten Sie, dass Papst Benedikt XVI. anlässlich seines Deutschland
Besuches im August 2005 während der Rheinfahrt auf einem
Hochzeitsstuhl, einer Leihgabe des Kölner Hotel Hyatt Regency, saß? Beim nächsten Besuch in Deutschland sitzt der Papst auf einem Hochzeitsstuhl von mir ;-)
(Quelle: Kölner Hotel Hyatt Regency)
- Wußten Sie, daß Loki und Helmut Schmidt seit vielen Jahren auf traditionellen Vierländer Stühlen Schach miteinander spielten?
(mit freundlicher Genehmigung von Frau Johanna Renate Woehlke)
Die heute fast vergessene Tradition der Hochzeitsstühle reicht bis weit ins 17. Jahrhundert zurück.
Die Bauart und das Erscheinungsbild dieses Stuhltyps (= gedrechselte Rundpfostenstühle) lässt sich bis ins 12. Jahrhundert
zurückverfolgen.
Es war Sitte, dem Brautpaar zur Verheiratung ein besonderes Paar Sitzgelegenheiten mitzugeben.
Hochzeitsstühle wurden meist von den Brauteltern für das heiratsfähige Mädchen als Aussteuer beim ortsansässigen Drechsler
in Auftrag gegeben.
In der Ausführung, der handwerklichen und künstlerischen Gestaltung unterschieden sich die Stühle nach dem Entstehungsgebiet.
So ist das Namensbrett (der wesentliche Teil eines tradiotionellen Hochzeitsstuhls) in den Vierlanden fast ausschließlich
eine Intarsienarbeit, während auf den Elbinseln der Altländer und Finkenwerder Typ – geschnitzt und meist farbig gefasst – überwiegt.
Die Farbgebung unterlag der zeitabhängigen Mode.
Solche Stühle waren für den nordelbischen Raum bis nach Skandinavien seit Generationen als typisches ländlich- bäuerliches Mobiliar bekannt.
Die verwendeten Holzarten waren stets heimisches Holz wie Eiche, Esche, manchmal Buche und oft fürs Rückenbrett und kleine Teile Obsthölzer wie Apfel- und Pflaumenbaum.
Die meisten Hochzeitsstühle hatten ein geschnitztes oder durchbrochen ausgeschnittenes Namensbrett und eine hölzerne Sitzfläche.
Für letztere war immer ein dickes Federkissen vorhanden. Dieses Kissen stand bei Nichtgebrauch hochkant als Paradekissen,
denn es war ausnahmslos von der Hausfrau handbestickt – eine Arbeit auf die sie stolz war, und die daher gern gezeigt wurde.
Innerhalb des Namenbretts – z.B. umrahmt von Blumenranken oder Vögeln, Herzen und Tulpen oder mit einer Krone - finden wir meist den Vor- und Zunamen des Besitzers und die Jahreszahl der Eheschließung eingeschnitten.
Eine Besonderheit im Frauenstuhl war, dass der Mädchenname verwendet wurde und so erhalten blieb, und konsequenterweise ein J für Jungfer vorangestellt wurde.
Bei manchen Hochzeitsstühlen war nach dem alten Satz „Mannshand boben“ (in der Ehe bestimmt der Mann) der Männerstuhl höher
als der Stuhl der Frau und auf den Armlehnen der Frau waren kleine Holzzacken angebracht, weil sich die Frau nicht ausruhen sollte,
sondern arbeiten, wie z.B. sticken sollte. Das ist heute zum Glück nicht mehr so.
Überwiegend wurden Stühle für die Aussteuer angeschafft. Es sind aber sicher auch Stühle zu anderen persönlichen Festtagen und Gelegenheiten bestellt worden.
Am Ende des 19.Jahrhunderts, als auch die Bauern begannen, ihre Möbel im Handel zu kaufen, endete die liebenswerte Tradition der handgefertigten Hochzeitsstühle. Sie versank bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts in einen Dornröschenschlaf.
Heute existiert neues Interesse an den Hochzeitsstühlen.
Mit dem Wunsch, ein Stück aus „guter alter Zeit“ zu besitzen, oder Tradition neu zu beleben, wird so mancher Stuhl in Auftrag gegeben:
Sei es als Geschenk zu besonderen Lebensabschnitten wie runden Geburtstagen, Silberhochzeiten, Jubiläen, Abiturfeiern, zum Ruhestand, Taufen oder tatsächlich als echtes Paar Hochzeitsstühle.
- Traditionelle Altländer und Finkenwerder Hochzeitsstühle werden noch in Rudi's Stühle-Atelier hergestellt: www.hochzeitsstuhl.de
- Peter Baron stellt in seiner Finkenwerder Kunstwerkstatt traditionelle Stühle her: www.finkenwerder-kunsthandwerkstatt.de
- Weitere traditionelle Hochzeitsstühle finden Sie auch bei www.binsenstuhl.de
- Vierländer Hochzeitsstühle finden Sie bei www.tischlerei-dahm.de